Traumarbeit
Beitrag von Elisabeth Jagfeld

Das Geheimnis des Traumes

Wir träumen in der Nacht , und fühlen, daß die Traumbilder etwas mit uns selbst zu tun haben.

Welche Botschaften sind darin verborgen?

Können uns Träume helfen, im Alltag mit Problemen besser umzugehen?

Diese Fragen haben die Menschheit zu jeder Zeit und in jeder Kultur schon immer beschäftigt.

Schon C. G. JUNG hat festgestellt, dass trotz kultureller Unterschiede überall auf der Welt ähnliche Traumbilder und Traumthemen auftauchen. Er sprach vom "kollektiven Unterbewußtsein". Tatsache ist , dass Träume immer als Botschaften vom Unterbewußtsein an das Bewußtsein zu verstehen sind. Wir westlichen Menschen können sowieso nur 20% unseres Bewußtseins real erfassen - die restlichen 80% liegen vergraben im Keller unserer Psyche.

Wir träumen, um in unserer Seele aufzuräumen, um wieder Ordnung zu schaffen, und das geschieht während wir schlafen.

So gesehen haben Träume die Funktion, unseren Schlaf zu schützen. In der Nacht werden aufgeworfene Fragen geklärt, das innere Chaos gelichtet und unabgeschlossene Angelegenheiten abgeschlossen, während der Körper ruht.

Je nachdem, wie sehr wir uns an das Traumgeschehen erinnern können, gelangen Botschaften in unser Tagesbewußtsein. Alpträume haben dabei Vorrang, sie drängen wirklich nach vorne, und wir erleben den Traum so real, daß wir meist schweißgebadet daran aufwachen.

Wer das Buch von MARLO MORGAN "Der Traumfänger" gelesen hat, weiß, dass die Aborigines in Australien einen ganz anderen Bezug zum Träumen haben (hatten), als wir.

Sie träumen nur, wenn sie einen Traum eingeladen haben, bzw. eine Frage haben.

Ansonsten bearbeiten und verarbeiten sie viel in Wachträumen. Sie sagen : die "veränderten Menschen" (also wir) träumen nur deshalb so viel bei Nacht, weil sie so wenig Wachträume haben.
Wachträume bzw. Tagträume sind bei den "veränderten Menschen" etwa Negatives.
Welcher Arbeitgeber oder Lehrer bei uns z B. könnte es dulden, wenn seine Angestellten oder Schüler plötzlich einfach nur ins Leere starren, während die inneren Bilder laufen?

Also sind wir sozusagen zum Nachtträumen "verdammt", und somit interessiert es uns natürlich:

Was ist die Botschaft des Traumes?

Ich werde als Dozentin an einer Heilpraktikerschule oft gefragt, ob ich nicht Bücher über Traumdeutung empfehlen kann. Leider muß ich diese Frage immer wieder verneinen, weil meine langjährige Erfahrung mit Traumarbeit mir gezeigt hat , dass Trauminterpretationen, die von Aussen kommen, überhaupt keinen Wert haben.

Auch FRITZ PERLS, der Begründer der Gestalttherapie, war davon überzeugt, daß Traumdeutung im herkömmlichen Sinn , so wie er es von SIGMUND FREUD gelernt hat, nicht funktioniert. Vielmehr begleitete er den Träumer dabei, die einzelnen Facetten seines Traumes selbst zu sehen und zu entdecken.

Daraus entstand der "Traumdialog", eine Technik aus der Gestalttherapie, der eine sehr tiefgreifende und kreative Methode ist, um die Botschaft des Traumes zu begreifen.

Dabei gibt es zwei einfache Regeln zu beachten, die aber nicht immer einfach zu begreifen oder umzusetzen sind:

1) Alles im Traum bin ich selber - also z. B. das Hochhaus, das Flugzeug, der Bettler auf der Straße und die Ballettänzerin

2) Das Geträumte hat einen Bezug zu meinem jetzigen Leben

Um einen Traum bearbeiten zu können, braucht man keine komplette Bilderabfolge von Anfang bis Ende. Oft reicht ein kurzer Traumfetzen, der aber so wichtig für uns war, dass wir ihn nicht vergessen können.

Die kürzeste Traumsequenz, die ich bei der Bearbeitung begleitend mitverfolgen durfte, lautete:

"Eine Bananenschale hat mich ins Ohr gebissen"

Auffallend in diesem Falle war, dass sie Träumerin diese kurze Sequenz wiederholt über Wochen und Monate geträumt hat; um so mehr ein Zeichen ,wie wichtig die Botschaft doch war.

Am effektivsten erlebe ich immer wieder die Traumarbeit in der Gruppe : Gemeinsames Nachträumen eines Traumes, oder Rollenspiel, wobei der Träumer die Regie übernimmt, oder sogar modernste Methoden wie, einen Traum aufstellen im systemischen Sinne - solche Methoden bringen immer wieder verblüffende Erkenntnisse.

Aber wichtig dabei ist, die Erkenntnis hat der Träumer selbst, er hat das "Aha"-Erlebnis, das Gefühl : " Ja, so ist das gerade in meinem Leben".

Der Therapeut hat hier nur die Rolle des Begleiters, er gibt die Struktur, so daß der Träumer selbst den Weg des Erkennens beschreiten kann.

Selbst wenn in der Gruppe ein Traum in Einzelarbeit als Traumdialog bearbeitet wird, ist es den anderen Teilnehmern nie langweilig, denn alle Anwesenden sind auf eine Art betroffen, jeder kennt die Themen irgendwie auch von sich, oder von seinem Umkreis, manchmal aus der Vergangenheit, oft aber auch aktuell gegenwärtig. Immer wieder bestätigt sich für mich , dass es tatsächlich so etwas wie ein "kollektives Unterbewußtsein" geben muß !

Zum Schluß möchte ich noch ein kleines Beispiel dafür geben, wie wir einen Traum zu verstehen haben: Frau S. aus L. erzählte folgenden kurzen Traum, den sie nur zum Teil erinnert.

Sie kommt in die gemeinsame Wohnung , die sie mit ihrem Ehemann teilt. Als sie in einem Schrank etwas sucht, entdeckt sie verborgene Süßigkeitenlager ihres Ehemannes, wie aufgebrochene Schokoladentafeln, Pralinenschachteln etc..
Sie ist erstaunt und auch enttäuscht, dass ihr Mann diese Verstecke heimlich und vor ihr verborgen hält.

Um den Traum zu verstehen, führe ich Frau S. zuerst mal in die Rolle der Süßigkeiten. Dabei erkennt sie, dass Süßigkeiten für sie so etwas wie Muße, Erholung, Belohnung, das Angenehme im Leben, die Süße des Lebens sind. Als sie dann in die Rolle des Ehemanns schlüpft, erkennt sie, dass ihr innerer Mann (männl. Anteil) meint, er dürfe sich die angenehmen Seiten im Leben nur heimlich verschaffen, so, als sei das etwas Verbotenes. Er hat sich selbst die Erlaubnis noch nicht dazu gegeben und fühlt sich auch von seiner Frau kontrolliert, hat Angst davor, ihr das Bedürfnis nach dem "Süßen" zu zeigen.

Frau S. erkennt im anschließenden Gespräch die Parallele zu ihrem jetzigen Leben. Sie hat Schwierigkeiten damit, sich selbst Pausen und Erholungen zu verschaffen, sie steht ständig unter innerem Leistungsdruck und Perfektionsdruck, ist aber jetzt bereit, sich dieses Thema anzuschauen.

Der unbedarfte Leser hätte nun wohl zuerst meinen können, Fr. S. hätte ein Eheproblem, wo es um Kontrolle und Heimlichkeiten geht. Dies könnte durchaus sein, ist aber trotzdem nicht Thema des Traumes. Denn das Unterbewußtsein holt sich nur die Bilder aus dem Tagesgeschehen, um sie für die ureigene Thematik zu verwenden.

Fazit:

Wer seine Träume in diesem Sinne verstehen lernt, hat den Königsweg zur Selbstfindung beschritten!

 

Heilpraxis "Im Einklang"

Eisenbahnstraße 2

70794 Filderstadt-Bernhausen