Frauenheilkunde
Beitrag von Elisabeth Jagfeld

Die Geschichte der Frauenheilkunde

Die Geschichte der Frauenheilkunde ist wichtig, um zu verstehen, warum sie in Männerhände gefallen ist, und warum sie ein Stiefkind in der Naturheilpraxis ist und war.

Bei den Ärzten sind viel weniger Frauen Gynäkologen/innen als Männer.

Warum?

Es wurde z.B. schon damit begründet, Frauen hätten nicht genug Kraft, die Gebärmutter zu entfernen (Mitte des letzten Jahrhunderts, als Operationen so modern waren).

Früher, noch vor dem Mittelalter, hatten Hebammen und "Weise Frauen” das Wissen der Frauenheilkunde. Sie waren das Bindeglied zwischen Arzt und Pfarrer.

Hebammen wurden sogar nach speziellen Wahlverfahren von den Frauen selbst gewählt, auf dem Lande und in den Gemeinden. Frauen und Männer hatten damals mehr getrennte, geschlechtsspezifische Lebensbereiche, wie in Afrika und Asien noch heute. Das Wissen der Frauen wurde mündlich weitergegeben. Männer hatten damals in der Frauenheilkunde nichts zu suchen. Paracelsus (1493 -1541), der große Arzt, Heiler, und Philosoph aus dem Süddeutschen Raum, bekam sein ganzes Wissen von den “Weisen Frauen”.

Dann kam die Zeit der Hexenverfolgungen

Der Beginn der systematischen Ausschreitungen war um 1450 herum. In Köln z.B. starben die meisten “Hexen” zwischen 1627 -1632 auf dem Scheiterhaufen (also innerhalb von fünf Jahren). Aber erst 1775 wurde die letzte “Hexe” in Europa verbrannt - die Verfolgungen gingen also über 300 Jahre. Der Grund war Angst vor Konkurrenz. Das Wissen der “Weisen Frauen” war eine Machtfrage.

Buchtipp zum Thema:
Die Hexe und die Heilige, von Ulrike Schweikert,
ein Roman, der in Ellwangen und Leonberg spielt,
und auf historischen Wahrheiten basiert.

Nach dem Mittelalter wurden Frauen aus den Hochschulen ausgeschlossen. Sie durften nicht studieren. Das ging ebenfalls von der Christlichen Kirche aus. Zu dieser Zeit, also ungefähr im 18. Jahrhundert, wurden die Gerichtsmediziner die Frauenärzte. Ihr Schwerpunkt lag in der Verfolgung von Schwangerschaftsabbrüchen und in der Untersuchung von Prostituierten. Hygiene wurde zum Thema. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Frauen wieder an den Hochschulen zugelassen. Jetzt begann die Zeit der ersten Operationen - ja und zum Operieren einer Gebärmutter waren die Frauen dann zu schwach!
Zeitgleich, um 1850 herum, entwickelte sich auch endlich eine Klasse von Gesundheitsfürsorgerinnen, die nicht mit den Professionellen in Konkurrenz treten wollten. Das waren die Krankenschwestern. Die Vorreiterin dieses Berufsstandes war Florence Nightingale (Lazarette im Krimkrieg).

In der NS-Zeit in Deutschland wurden die Frauen sortiert, nach ihrer Nützlichkeit für die Erhaltung des deutschen Volkes. Allein in Deutschland waren es 300.000 Frauen, die zwangssterilisiert wurden, wenn sie irgendwelche Schäden hatten, z.B. eine veränderte Hand. 5.000 Frauen starben an den Folgen der Sterilisationen.

Ärzte der Firma Schering testeten unter anderem Hormonpräparate der Firma Bayer an Jüdinnen im Konzentrationslager - um nur die mildesten „Taten“ hier zu nennen.
Die Gynäkologen aus der NS-Zeit wurden zum Großteil nach der Nazizeit nicht entlassen, und wirkten noch lange weiter. Heute sind die meisten verstorben oder außer Dienst, aber unsere Mütter wurden noch von dieser Ära der Frauenärzte behandelt und geprägt. Auch viele medizinische Frauen-Anatomie-Bücher sind noch aus dieser Zeit.

1939 wurde das Heilpraktiker-Gesetz in Deutschland erlassen

Dieses regelt bis heute den Berufsstand des Heilpraktikers in der BRD. Also ein Gesetz aus der NS-Zeit. Es sollten die vielen freischaffenden Heiler und „Hexen“ etc. in Schach gehalten werden, die es wieder gab. Es gab auch eine Klausel in dem Gesetz, dass Ausländer nicht Heilpraktiker werden dürfen, welche dann später gestrichen wurde.

Bis heute müssen wir aber ein ärztliches Attest nachweisen, dass wir körperlich und geistig unversehrt sind, also auch keine körperliche Behinderung haben - um den Beruf auszuführen.
1953 wurde neben dem Bundesseuchengesetz, das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten eingeführt. Aus diesem ging dann eindeutig hervor, dass der/die Heilpraktiker/in die Geschlechtsorgane nicht untersuchen und behandeln darf, genauso wenig wie übertragbare Geschlechtskrankheiten.
Daraus ergab sich auch ein absolutes Behandlungsverbot aller Frauenerkrankungen, außer Erkrankungen der weiblichen Brust. Diese durfte vom Heilpraktiker/in als sekundäres Geschlechtsmerkmal untersucht und behandelt werden.

Seit 2001, mit Einführung des Infektionsschutzgesetzes, welches das Bundesseuchengesetz ablöste, ist im §24 durch einen einzigen Satz geregelt, dass wir Heilpraktiker/innen weiterhin keine übertragbaren Geschlechtskrankheiten behandeln dürfen, wie z.B.: Tripper, Lues, Ulcus Molle, Herpes Genitales und andere.
Aber der gleiche Satz regelt auch die Neuerung, dass wir Heilpraktiker/innen die primären Geschlechtsorgane jetzt untersuchen und behandeln dürfen. Da die meisten Heilpraktiker Frauen sind, besteht somit die Chance, dass die Frauenheilkunde wieder in die Hände der Frauen, der „Weisen Frauen“ zurückgegeben werden kann.

Dies ist wirklich eine Chance für unseren Berufsstand, nach über 500 Jahren der "Entfremdung".

 



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